Nach wochenlangen Streiks und zähen Verhandlungen haben sich die Tarifparteien der Bauwirtschaft auf einen neuen Branchentarif geeinigt. Der Kompromiss sieht stufenweise Lohn- und Gehaltserhöhungen bis 2026 vor – inklusive einer Angleichung der Ost-West-Löhne und höherer Ausbildungsvergütungen.
Die Eckpunkte des Tarifabschlusses
Der dreijährige Tarifvertrag (gültig ab 1. April 2024) umfasst folgende Maßnahmen:
- Erste Stufe (ab Mai 2024):
- Westdeutschland: +1,2 % (außer Lohngruppe 1) + 230 € Festbetrag
- Ostdeutschland: +2,2 % + 230 € Festbetrag
- Lohngruppe 1 (bundesweit): +2,2 % + 230 €
- Zweite Stufe (ab April 2025):
- West: +4,2 %, Ost: +5,0 %
- Lohngruppe 1: +5,0 % (bundesweit)
- Dritte Stufe (ab April 2026):
- West: +3,9 %, Ost: Angleichung an West-Niveau
- Ausbildungsvergütungen steigen auf 1.080 € im ersten Jahr, mit Ost-West-Angleichung 2026.
Hintergrund: Streiks und gescheiterte Schlichtung
Die IG BAU hatte ursprünglich 500 € mehr Lohn pro Monat gefordert, während die Arbeitgeber zunächst nur rund 3 % Erhöhung anboten. Nach drei erfolglosen Verhandlungsrunden scheiterte auch ein Schlichterspruch, der 250 € pauschal plus prozentuale Steigerungen vorsah. Die Arbeitgeber lehnten ab – mit Verweis auf die Baukrise, insbesondere im Wohnungsbau.
Reaktionen der Tarifparteien
- Uwe Nostitz (ZDB):
„Der Abschluss bringt Planungssicherheit. Die Gewerkschaft hat die wirtschaftliche Realität ignoriert – viele Betriebe kämpfen mit Auftragsrückgängen.“ - Carsten Burckhardt (IG BAU):
„Die Arbeitgeber boten zu wenig. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten erfordern deutliche Anpassungen. Nicht alle Sparten der Bauwirtschaft leiden gleich stark.“
Branchenbilanz: Krise mit Lichtblicken
Trotz eines Umsatzrückgangs von 1,7 % auf 160 Mrd. Euro (2024) bleibt das Bauhauptgewerbe ein Schlüsselarbeitgeber mit 916.000 Beschäftigten. Während der Wohnungsbau einbricht, laufen Projekte im Infrastruktur- und öffentlichen Bau gut.
Fazit: Der Kompromiss beendet die Arbeitskämpfe, doch die Branche steht weiter unter Druck – insbesondere durch Fachkräftemangel und hohe Kosten. Die Ost-West-Angleichung 2026 gilt als historischer Schritt.
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